Kastanie (Fam. Hippocastanaceae)

Kastanie Die sommergrüne Roßkastanie (Aesculus hippocastanum) ist in Europa, Westasien, im südlichen Nordamerika und in Japan verbreitet. Sie kommt aber ursprünglich aus dem Balkan und Kleinasien und kam erst um das Jahr 1570 nach Mitteleuropa. Dieser mächtige, breitkronige Baum mit einer Höhe bis zu 30 m ist ein beliebter Allee- und Gartenbaum. Wenn wir in heißen Sommertagen im Biergarten sitzen, freuen wir uns nicht selten über die Kühle, die uns die Kastanie beschert.

Das Motto der Roßkastanie scheint "nicht kleckern, sondern klotzen" zu sein. Alles an ihr mächtig: Die großen handgeformten Blätter treiben schon sehr frühzeitig aus. Die weißrot gefleckten Blüten hängen an imposanten, 30 cm hohen Dolden, die Scharen von Bienen und Hummeln anlocken. Und auch die Früchte sind nicht minder eindrucksvoll: In stacheliger Schale mit einem Durchmesser von 5 bis 7 cm verbirgt sich die glänzende, rotbraune Nuß, die nicht nur Kinder fasziniert. Früher wie heute war diese Nuß ein begehrtes Wildfutter, eine nährstoffreiche, gesunde Speise. Aus Kastanienmehl wurde oft ein Kaffeersatz gemacht, der Buchbinder oder Tischler stellte sich daraus den Leim her und auch als Wasch- und Pflegemittel fand es breite Verwendung. Der Inhaltsstoff Aescin absorbiert die UV-Strahlung, weshalb die Kastanie auch als Sonnenschutzmittel verwendet wird. Weiterhin wird sie bei artiellen Durchblutungsstörungen und in der Venenheilkunde eingesetzt. Der Name Roß-Kastanie kommt vermutlich daher, daß die Früchte früher sehr oft als Heilmittel bei den Pferden verfüttert wurden. Hier hilft sie vor allem bei Husten und Dämpfigkeit.

Kastanie Unter dem oft gedrungenen, gedrehten Stamm mit seiner graubraunen bis dunkelroten, grobblättrigen Rinde verbirgt sich ein weiches bis mittelhartes Holz. Splint und Kern sind kaum zu unterscheiden. Dieses weißlichgelbliche Holz schwindet wenig und läßt sich gut bearbeiten. Es wird hauptsächlich für Spielzeug, zu Drechslerarbeiten, für Möbel und Möbelgriffe eingesetzt. In den letzten Jahren wird es zunehmend auch zu Parkett verarbeitet. Im Laufe der Jahre erhält so ein Parkett eine Patina, die ihn dann dem Eichenparkett ähneln läßt.

Mitten im Winter, wenn bei den andern Bäumen die Winterstarre noch anhält, strotzt die Roßkastanie mit ihren gefüllten, glänzenden Knospen bereits wieder vor Kraft und Zuversicht. Vielleicht ist sie in der Astrologie auch deshalb dem Jupiter zugeordnet, dem Planeten der Fülle.